
Die
Denkschrift zum Thema „Outsourcing – Wozu?“ gibt nicht nur zum Denken, sondern
weist auch auf die faulen Stellen in unserem Wirtschaftsleben hin. Die Schrift
dokumentiert auf sehr eindringliche Weise die wesentlichen Entwicklungen bei
Standortverlagerungen von deutschen Unternehmen ins Ausland. Zwei Feststellungen
sind hier essentiell: Die überragende
Bedeutung der Verlagerung aus Kostengründen und die unzureichenden
Anstrengungen bei der Optimierung des bestehenden Standorts.
Obwohl
zwischenzeitlich mehrere Studien [1]
nachgewiesen haben, dass Verlagerungen aus Kostengründen ein hohes Risiko
beinhalten, übt der Faktorkostenvergleich weiterhin eine unwiderstehliche
Anziehungskraft beim Management aus. Hier besteht aber schlichtweg ein Mangel
an einer durchgängigen und seriösen Gesamtkostenkalkulation. Während die
Herstellkosten sehr detailliert ermittelt werden können, unterliegen Anlauf-,
Koordinations-, Transfer-, Reise- und Ertüchtigungskosten bei einer
Standortverlagerung einer groben Schätzung, deren Höhe meist auch noch
hemmungslos unterschätzt wird. Hierdurch werden Kostenvorteile suggeriert, die
in der Realität nicht zu halten sind. Viele Rückverlagerer haben gezeigt, dass
es auch im Ausland keine Einbahnstraße zum wirtschaftlichen Erfolg gibt.
Viele
Veröffentlichungen [2]
haben ebenfalls nachgewiesen, dass noch erhebliche Verbesserungspotenziale in
den hiesigen Unternehmen schlummern. Hier werden die Management-Hausaufgaben
nicht gemacht! Es ist demnach folgerichtig, dass versäumte Innovationen und
unterlassene Prozessoptimierungen die Ursachen für Entlassungen und
Verlagerungen darstellen. Am neuen Auslandsstandort sind die transferierten
Prozesse meistens auch schlecht, dafür aber billiger. Die Abkehr von einer
kurzatmigen, quartalsgetriebenen Entscheidungshektik des Managements und die
Hinwendung zu einer nachhaltigen, gesamtwirtschaftlichen Führungsverantwortung
tut hier Not.
Darüber hinaus sind natürlich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern. Zwei wesentliche Gesichtspunkte der Denkschrift sind hier hervorzuheben – Arbeitszeitflexibilisierung und Lohnkostenentwicklung. Hier werden insbesondere die Arbeitnehmervertretungen aufgerufen, eine deutlich aktivere Rolle einzunehmen, um die Standortbedingungen für Unternehmen zu verbessern.
_____
« Zurück