„Wo Eitelkeit und Prunksucht
anfangen,
hören die inneren Werte auf“, heißt es in
„Goethes Gesprächen mit Eckermann“, und
wer wollte
dieser Feststellung widersprechen, denn Eitelkeit wie Prunksucht sind
nach außen gewendete Aufmerksamkeit, an
Äußerlichkeiten orientiertes Verhalten.
Im Urteil der Allgemeinheit ist Eitelkeit etwas
Lächerliches,
Gegenstand von Spott und Häme. Wohlwollenden gilt sie als
„menschliche Schwäche", ernsthafte Menschen deuten
sie als
Zeichen von Oberflächlichkeit und Charakterschwäche.
Da man
sie aber weder verbieten noch den Menschen abgewöhnen kann und
weil die Eitelkeit eines Menschen per se Anderen nicht schadet, auch
wenn sie auf bestimmte Mitmenschen peinlich und manchmal
beschämend wirkt, wird die Eitelkeit als wenig
schätzenswerter Wesenszug toleriert. Männer gelten
als
„eitle Fatzkes“, Frauen werden nachsichtiger
beurteilt:
Weibliche Eitelkeit wird von den Männern in machohafter
Herablassung als angeblich typisch weibliche Eigenschaft eher
belächelt als verurteilt.
Die katholische Morallehre beurteilt die Eitelkeit kritischer:
Für sie gilt sie nicht als lässliche Sünde,
sondern als
Todsünde. Die Begründung: Entsprechend der
scholastischen
Philosophie betrachtet die Kirche den Menschen als von zwei
antagonistischen Kräften bestimmt: vom amor dei,
der Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen, einer dem Menschen
zuträglichen Kraft, und vom amor sui,
der Selbstliebe und Ich-Sucht, einer dem Menschen abträglichen
Kraft. Zum amor sui
gehört insbesondere die Eitelkeit, weil sie den Menschen zur
Selbstbespiegelung und Ichsucht führt und ihn davon
abhält,
sich höheren Werten – vor allem dem
Göttlichen und den
anderen Menschen – zuzuwenden.
Moraltheologische Kriterien, so nützlich sie
für eine
ernsthafte Lebensführung und
Persönlichkeitsentwicklung auch
sein mögen, sind in der heutigen Zeit keine
verhaltenssteuernden
Kräfte mehr, und so ist es nicht verwunderlich, dass Eitelkeit
und
Egotrips in unserer Gesellschaft gang und gäbe sind. Man mag
von
Eitelkeit getriebenes Verhalten lächerlich, degoutant,
peinlich
oder menschlich unreif finden: Die Menschen frönen ihrer
Eitelkeit
dennoch. Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch sein
persönliches Ich verwirklichen und ausleben soll und muss,
haben
sie sogar ein Recht darauf, weil die Eitelkeit offenbar zu ihrer
Persönlichkeit und zu ihrem Wesen gehört.
Verständnis oder gar Sympathie
für eitle Menschen
hört aber dort auf, wo diese ihre Eitelkeit in
Ausübung ihres
Berufs und unter Ausnutzung ihrer Stellung und Machtposition
befriedigen. Das ist bei den Top-Manageristen von heute in zunehmendem,
ja: empörendem Maße der Fall. Hier ist es keine
lässliche Sünde, keine „kleine menschliche
Schwäche“ mehr, sondern ein krasses Fehlverhalten
und
Alarmsignal für jedes Aufsichtsgremium, denn hier ist
für das Unternehmen Gefahr in Verzug.
Die scholastischen Philosophen haben eines ganz richtig
gesehen,
wenn sie die Eitelkeit als dem Menschen abträgliche
Sünde
bezeichneten: Eitelkeit, Eigenstolz, Prunksucht und vor allem auch die
libido dominandi,
die Herrschsucht und libidinöse Freude an der
Machtausübung, ziehen als nach außen gerichtete
Kräfte
den Menschen von sich selbst ab und hindern ihn daran,
„wesentlich“ zu werden, das heißt: sich
auf sich
selbst zu besinnen, sich als den zu erkennen und zu erfahren, als der
er „gemeint ist“, und sich dadurch selbst als
Mensch und
Person zu verwirklichen. Mit anderen Worten: Der Mensch,
der intensiv seiner Eitelkeit frönt, richtet sein Streben und
seine Energie auf unwesentliche Dinge.
Der Mahn- und Weckruf der mittelalterlichen
philosophisch-christlichen Lehre lautete: „Mensch, werde
wesentlich!“ Dieser Ruf wird in dieser Form in unserer
heutigen
säkularisierten Welt zwar nicht mehr ernst genommen, aber am
Problem hat sich nichts geändert. Das gleiche Ziel –
Persönlichkeitsentfaltung, Wesensentwicklung, Ich- und
Menschwerdung – wird heute nur mit anderen Begriffen und auf
anderen Wegen zu erreichen versucht. Was aber ohne Abstriche von der
scholastischen Forderung auf die Führung eines heutigen
Unternehmens zu übertragen ist, ist der Hinweis auf das, was
Not
tut, nämlich: die Konzentration auf das
Wesentliche.
Die Scholastiker wollten, dass der Mensch seine seelische Energie auf
sein Seelenheil hin konzentrieren und sich nicht in
Äußerlichkeiten verzetteln und verlieren sollte,
weil das
Seelenheil in ihren Augen für den Menschen als das Wesentliche
und
Erstrebenswerte erschien. Für einen verantwortlichen Manager
in
einer Führungsposition lautet die Forderung: Konzentriere
deine physische, psychische und geistige Energie auf das Wesentliche,
nämlich auf das Wohl des Unternehmens, dem du dienst.
Die Diagnose ist klar: Führungskräfte vom
Schlage des
Manageristen, die ihre Eitelkeit ausleben, konzentrieren ihre
Kräfte und ihr Streben auf Unwesentliches, also auf Dinge, die
mit
dem Wohl des Unternehmens nichts zu tun haben. Darin liegt die Gefahr,
die von einem eitlen Manager auf das Unternehmen ausgeht. Quod
erat demonstrandum, denn Beispiele dafür gibt es
zuhauf:
Ein bekannter Fall ist Percy Barnevik,
erster CEO
von ABB. Eine Zeit lang wurde er als Architekt des schlanken, dezentral
geführten globalen Technologieunternehmens gefeiert. Jenseits
des
Atlantiks galt er als der brillanteste europäische Manager.
Dieser
Nimbus entstand nicht auf Grund von wirklicher Leistung und
Größe. Er beruhte auf permanenter medienwirksamer
Selbstdarstellung und ununterbrochener PR in eigener Sache. Eine
beeindruckende Vortragstätigkeit als Keynotespeaker auf allen
möglichen Kongressen, eine nie nachlassende Bereitschaft zu
Interviews – wo auch immer, worüber auch immer, mit
wem auch
immer – und eine perfekte Beherrschung dessen, was man im
Englischen impression management nennt, waren die
hervorstechendsten Fähigkeiten dieses Mannes. Er erweckte
durch
seine Omnipräsenz und seine Selbstdarstellung bald den
Eindruck,
Barnevik sei die ABB und die ABB sei Barnevik. Sein Aufstieg zum
Aufsichtsratsvorsitzenden leitete gleichzeitig seinen Abstieg ein. Er
stolperte über eine als anstößig empfundene
Pensionsregelung, die er für sich ausgehandelt hatte und die
er
zuerst auch noch verheimlichen wollte. In der Schweiz wie in Schweden
wurde der selbstgemachte business heroe zur persona
non grata.
Zurück blieb nach seiner für ihn selbst so
segensreichen
Tätigkeit bei ABB ein Unternehmen, das nur noch einen
Bruchteil
seines ehemaligen Wertes darstellte und nur mit Mühe am
Konkurs
vorbei manövriert werden konnte.
Eine ähnliche Erfolgsstory im Zugrunderichten eines
Unternehmens legte Ulrich Schumacher
bei Infineon hin, der sich mit dem Geld dieses Unternehmens, das nicht
ihm gehörte, als großzügiger Sponsor bei
der Formel 1
gerierte. Ganz offensichtlich tat er das in erster Linie, um sich als
„Adabei“ – wie die Society-Olympioniken
in der
Münchner Schickeria genannt werden, weil sie nach dem Motto
handeln „dabei sein ist alles“ – in der
Gesellschaft
von Promis und Schumis und Groupies tummeln zu können:
schamlos
ausgelebte Eitelkeit eines Egomanen auf anderer Leute Kosten, in diesem
Fall auf Kosten der Infineon-Mitarbeiter und Aktionäre, wie
sich
bald herausstellte. Dass dieser Mann an der Frankfurter Börse
in
halbstarker James Dean-Manier in rasantem Tempo im Porsche vorfuhr,
passt ebenso ins pathologische Psychogramm wie der von ihm initiierte
Bau eines schicken Headquarters vor den Toren Münchens
– in Anbiederung an die amerikanischen Gepflogenheiten
Stanford
und Silicon Valley „Campus“ genannt, um
Weltläufigkeit
und Modernität zu demonstrieren – sowie die
Tatsache, dass
er am Firmensitz mehrere Porsches hortete. Als es so weit kam, dass
wegen miserabler Performance des Unternehmens Mitarbeiter entlassen und
Standorte geschlossen wurden, blieb der Etat für das der
persönlichen Eitelkeit des Herrn Vorstandsvorsitzenden
dienende
Formel 1 Renn-Sponsoring ungekürzt: Eitelkeit nicht als
„kleine menschliche Schwäche“, sondern
gemeingefährlicher, menschenverachtender Zynismus. Nach seinem
unrühmlichen Abgang inklusive eines „goldenen
Handschlags“ in Millionenhöhe von Infineon, wo er
einen
Scherbenhaufen hinterließ, heuerte Schumacher bei einer
amerikanischen Private Equity-Firma an, für die er Unternehmen
wie
die bayerische Wacker-Chemie entern sollte. Heute sitzt er einem
chinesischen Halbleiterhersteller in Shanghai vor, der zwar zehnmal
kleiner ist als Infineon, aber ebenso rote Zahlen schreibt, wie es
zuletzt unter seiner Ägide Infineon tat.
Mit ähnlichem nassforschem Auftreten und an
amerikanische
Tycoons aus Big Boss-Filmen orientierter Hemdsärmeligkeit
versuchte der Interims-Vorstandsvorsitzende von Siemens, Klaus
Kleinfeld,
seine Umwelt und die Öffentlichkeit zu beeindrucken. Mit den
parvenü-typischen Accessoires wie der deutlich sichtbar
getragenen
Rolex (die er auf Anraten seiner PR-Leute später auf
Pressefotos
wegretuschieren ließ), einem von Arroganz, Kalt- und
Großschnäuzigkeit geprägten
Führungsstil und einem
Umgangston, der von den in der nobel-zurückhaltenden
Siemens-Kultur Erzogenen deutlich als unkultiviert empfunden wurde,
legte er die typischen Eigenschaften eines Manageristen an den Tag. Bei
seinen ersten öffentlichen Auftritten im Fernsehen wurde schon
nach kurzem Hinterfragen nicht einmal sehr kritischer oder in der Sache
besonders kompetenter Journalisten die mangelnde intellektuelle Tiefe
und schwache menschliche Substanz sowie die Diskrepanz zwischen
Selbstanspruch und Wirklichkeit dieses Unternehmenslenkers deutlich.
Eitelkeit und Machtgier traten als deutliche Charaktermerkmale hervor.
Sie waren bei Kleinfeld schon früh auffällig: als
unbeaufsichtigter Leiter der internenConsulting-Truppe ließ
er
sich vom Siemens-Fahrdienst herumchauffieren wie ein Vorstand. Die
beschriebene Korrelation von Charaktereigenschaften und Performance als
Führungskraft ist auch hier zu beobachten. Im
Gedächtnis
geblieben und für alle Siemensianer mit dem Namen Kleinfeld
verbunden ist der schmähliche und unprofessionell betriebene
Verkauf der Handy-Sparte an BenQ.
Auch Jürgen Schrempp
reiht sich nahtlos in die
Riege der von Eitelkeit und Arroganz getriebenen Egomanen an der Spitze
eines Weltkonzerns ein. Bei seinem Amtsantritt nannte er die von seinem
Vorgänger Reuter neu gebaute, demonstrativ prunkvolle
Daimler-Firmenzentrale in Stuttgart-Möhringen noch
verächtlich „Bullshitcastle“, aber als es
sich zeigte,
dass sich das Gebäude mit Erfolg als Vorzeigeobjekt und
Repräsentations-Architektur nutzen ließ, machte er
sich
geräuschvoll darin breit und begann den Traum vom
weltgrößten Automobilkonzern zu träumen:
die Daimler
Chrysler AG. Dass sein Beweggrund dafür in erster Linie die
Befriedigung seiner Eitelkeit war – er wollte als
wagemutigster,
erfolgreichster und mächtigster Konzernherr in die Geschichte
des
Automobilbaus eingehen –, war seinem Auftreten und seinem
Verhalten anzumerken. Er wollte der große Herrscher sein. Herrschen
heißt Macht ausüben.
Macht ist libidinös besetzt, wie die Psychologen sagen, sie
entspringt dem Machttrieb bzw. der Machtgier. Ethymologisch hat das
Wort Macht die gleiche Wurzel wie Magie (indogermanisch: mag-), ist
also eine eindeutig irrationale Größe. Menschen mit
Machtgier und Herrschsucht sind – klinisch betrachtet
–
gefährliche, weil irrational agierende Psychopathen. Sie
gehören als Patienten in therapeutische Behandlung, aber nicht
als
Top-Manager und Firmenlenker in einen Weltkonzern. Das Ende dieser
Geschichte von der Magie der Macht und dem Ausflug auf den Jahrmarkt
der Eitelkeiten ist bekannt. Wie bei rationaler Analyse von jedem auch
nur halbwegs Kundigen vorauszusehen war, ging dieser Egotrip schief,
die Fusion mit Chrysler erwies sich als Flop und wurde von Schrempps
Nachfolger wieder rückgängig gemacht. Dutzende
Milliarden
Euro wurden in den Sand gesetzt. Blöd gelaufen für
alle
Beteiligten – außer für Herrn Schrempp: Er
hat wie ein
gewiefter Hedgefonds-Manager auch noch an seinem Abgang verdient.
Eine andere Form der auf Firmenkosten befriedigten
persönlichen Eitelkeit ist die Titelsucht
mancher Manager. Wenn der eine oder andere Zentralvorstand von Siemens
in der Hoffnung, sich mit akademischen Ehrentiteln schmücken
zu
können, einer Universität Forschungsgelder in
Millionenhöhe zukommen lässt (aus der
Siemens-Firmenkasse
wohlgemerkt) und viel Zeit und Energie als Gastdozent aufwendet (Zeit
und Energie, die er laut seinem Arbeitsvertrag dem Unternehmen widmen
sollte) und dafür schließlich einen Ehrendoktortitel
bekommt, dann ist das eine vorsätzliche Zweckentfremdung von
Firmengeldern zur Befriedigung der persönlichen Eitelkeit.
Auch
hier ist eine signifikante Korrelation von manifestierter und
praktizierter Eitelkeit auf der einen und Erfolg bzw. Misserfolg in der
unternehmerischen Performance auf der anderen Seite festzustellen:
„Dr. Eng.“ Volker Jung war lange Jahre für
den
Geschäftsbereich Kommunikation verantwortlich. Diesen
Geschäftsbereich gibt es heute praktisch nicht mehr, weil er
stückweise verscherbelt und der Kern – die
Mutterfirma von
Siemens, das war Siemens & Halske – mit Nokia
verschmolzen
werden musste.
Die Beispiele für den Schaden, den von Eitelkeit
getriebene
Manageristen in ihren Unternehmen anrichten, ließen sich
endlos
fortsetzen – ein interessantes Thema für jeden
Wirtschaftsjournalisten und jeden Psychiater, der sich mit dem Thema
"Funktionale Psychopathologie im Wirtschaftsleben" beschäftigt.
Um Schaden vom Unternehmen fernzuhalten, ist das
Eingreifen der Kontrollorgane gefragt.
Aufsichtsräte und Corporate Governance-Verantwortliche
müssen
ein Frühwarnsystem entwickeln, das rechtzeitig auf drohende
Gefahren durch eitle Manager aufmerksam macht. Das Münchner
Institut für Angewandte Kulturanthropologie, das u.a. das
Phänomen der "systematischen Konstruktion einer Zweiten
Realität" erforscht (die an die Stelle der ersten geschoben
und
dann als diese ausgegeben wird) und sich ferner mit dem Managerismus
als pathologische Erscheinung im Wirtschaftsleben beschäftigt,
hat
als Ergebnis einer eigenen Untersuchung einen Kriterienkatalog zur
Früherkennung von Geschäftsrisiken durch Manageristen
in
Führungspositionen erstellt. Dieses diagnostische Hilfsmittel
kann
den Kontrollgremien in den Unternehmen helfen,
firmenschädigendes
Verhalten von Manageristen schon im Frühstadium zu erkennen
und
mit geeigneten Mitteln zu unterbinden.
Checkliste für Kontrollorgane
Aufsichtsräte
zur Früherkennung manageristischer
Persönlichkeitsdefizite
bei Top-Managern
Symptom: Ein Top-Manager beginnt,
sich mit
akademischen Ehrentiteln zu schmücken, die er durch
Gastvorlesungen an Universitäten und Hochschulen
während
seiner Arbeitszeit und durch Zuwendung von Unternehmensgeldern an diese
Institutionen erwirbt. Achtung! Er
verwendet
Geldmittel und Zeit, die eigentlich dem Unternehmen gehören,
zur
Befriedigung seiner persönlichen Eitelkeit.
Symptom: Ein Top-Manager tritt im
Namen und mit dem
Geld des Unternehmens als großzügiger Sponsor bei
spektakulären, medienwirksamen Veranstaltungen auf. Aufgepasst!
Dient das investierte Geld wirklich dem Unternehmen oder soll es nur
dem Manager Zugang zu der glamourösen Welt der Prominenz, der
Schönen und der Reichen verschaffen?
Symptom: Ein Topmanager
lässt sich nach
langjähriger Ehe scheiden und heiratet eine Frau vom Typ
„langbeiniges Model“, die seine Tochter sein
könnte
und die er stolz im Bekanntenkreis und in der Öffentlichkeit
vorführt. Aufgemerkt! Der Mann
hat etwas zu
kompensieren, leidet an Realitätsverlust (Balzheimer
Krankheit)
und hat die Fähigkeit verloren, die Dinge objektiv und in der
richtigen Relation und Dimension zu sehen.
Symptom: ein Top-Manager umgibt
sich mit externen
Beratern, um ehrgeizige, spektakuläre Ziele durchzusetzen,
holt
Consultingfirmen, bevorzugt McKinsey, ins Haus und gibt
übermäßig viel Geld für sie aus. Vorsicht!
Der Mann baut vor. Er sucht ein Alibi für eventuelle
Fehlentscheidungen. Ihm fehlen Kompetenz und Mut, wichtige
Maßnahmen selbst durchzuführen und für das
Ergebnis
gerade zu stehen.
Symptom: Ein Top-Manager
drängt sich bei jeder
sich bietenden Gelegenheit in die Öffentlichkeit, ist
Dauergast
auf allen größeren Podien und bei Talkshows,
bemüht
sich auffällig um mediale Präsenz, ist Vorzeigegast
bei
Prominentenparties, gibt ständig Interviews und hält
sich
einen Personal Coach für seine Imagepflege. Merke:
„Wo Eitelkeit und Geltungssucht anfangen, hören die
inneren
Werte auf.“ Der Mann ist eine außengeleitete
Persönlichkeit mit geringer Substanz.
Symptom: Ein Top-Manager ist in
rücksichtsloser, unsensibler Weise darauf bedacht, sich auf
Grund
seiner Position Privilegien und Vorteile zu verschaffen. Er umgibt sich
mit Statussymbolen und trägt alle möglichen Insignien
der
Macht ungeniert zur Schau. Alarmsignal!
Der Mann hat
ein schwaches Ich und ein gering entwickeltes
Selbstwertgefühl. Er
braucht die Statussymbole als Identitätskrücken und
Persönlichkeitsprothesen. Von einer Führungskraft
erwartet
man eine gefestigte Persönlichkeit mit innerer Substanz.
Bertelsmann-Chef Reinhard
Mohn sieht auf Grund seiner Erfahrung mit
einem von Eitelkeit und Selbstüberschätzung
geprägten
Manager im eigenen Haus in solchen Führungskräften
eine
Gefahr für das Unternehmen und kommt zu der (für ihn
im Fall
Middelhoff späten) Einsicht: "Bei der Auswahl der
Führungsnachwuchskräfte habe ich früher auch
immer auf
die Persönlichkeitsstruktur und die charakterliche
Beschaffenheit
der Kandidaten geachtet. Angesichts des gegenwärtigen
Scheiterns
so vieler Manager aber muss ich gestehen, dass ich über das
Problem der Eitelkeit früher zu wenig nachgedacht habe.
Ruhmsucht
hat schon manchen Manager zu ‚Heldentaten’
angespornt und
nicht selten zu unverantwortlichen Großinvestitionen
veranlasst.“ Aus der Überzeugung heraus, dass
negative
charakterliche Anlagen bei einem Menschen nur in sehr begrenztem
Maße verändert werden können, rät
Mohn dazu, den
Aufstieg solcher Mitarbeiter in Führungspositionen zu
verhindern,
weil Eitelkeit auf den obersten Etagen zu verheerenden Folgen
führen kann.
Es ist für einen
Aufsichtsrat also ganz
einfach, das
Unternehmen vor Schaden zu bewahren, den von Eitelkeit getriebene
Manager auf dem Egotrip ihm zufügen. Er muss
nur bei der
Beurteilung der Performance eines Managers dieses Wort in seinem ganzen
Sinn anwenden, der ja auch den Aspekt
„Aufführung“
beinhaltet. Man braucht also nur darauf zu schauen, wie einer sich
„aufführt“. Wie aus den Beispielen
ersichtlich, geben
eitle Manager einem in dieser Hinsicht aufmerksamen Aufsichtsrat Anlass
zum Eingreifen genug. Bei Performern wie Schumacher, Barnevik,
Kleinfeld und Co. hätte eine englische Zeitung vielleicht
geschrieben: "what a performance!", womit gemeint ist: Welch schlechtes
Benehmen!
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