Gründen in Deutschland

Warum es nicht richtig läuft - was anders werden muss

Manfred Hoefle

 

Zusammenfassung 
Einordnung 
Aus USA importiert 
Fehlentwicklungen 
Gesamtbilanz durchwachsen 
Neuausrichtung überfällig 

 

Hinweis: Der Autor dankt den beteiligten Kennern der Start-up-Szene. Einer Denkschrift entsprechend sind die Aussagen absichtsvoll pointiert.
Manfred Hoefle hat langjährige Erfahrungen im Technologietransfer, mit Businessplan-Wettbewerben, Gründungsprogrammen, Spin-offs von Großunternehmen und Hochschulen, auch als Unternehmensgründer.

 

ZUSAMMENFASSUNG

Historie, Industriestruktur und Sozialisation prägen das Gründungsbewusstsein; deshalb ist es nicht einfach veränderbar. Gründen ist eine eminent kulturelle Frage und eine, die nicht in einer Generation lösbar ist. Anschauungsbeispiele dafür gibt es genügend. Umso mehr kommt es darauf an, junge Leute (und auch nicht-junge) frühzeitig für die Option, unternehmerisch tätig zu werden, zu gewinnen. Im Unterschied zu einem normalen Angestelltenverhältnis handelt es sich beim Gründer um eine Berufung zu einem Leben als Unternehmer allein oder mit anderen zusammen. Dazu bedarf es einer kreativ-gestalterischen, risikobereiten Grundeinstellung und vieler Gelegenheiten sowie Herausforderungen in der Schule und im Studium. Impulse zum Gründen kommen von Vorbildern, sind originelle Ideen, die Freude am Probieren und Gestalten.

Ohne Neuausrichtung ist in Deutschland keine bessere „Gründungsbilanz" zu erwarten. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die gute Einbettung des Gründens in Wirtschaft und Gesellschaft. Unabdingbar ist ein Konsens, dass die Weiterentwicklung des Industrielandes Deutschland, insbesondere angesichts der digitalen Herausforderung, in hohem Maße davon abhängt, dass mehr junge, innovative Unternehmen nachwachsen.

Auch wenn sich der politische Wille dazu einstellt, erschweren drei gesellschaftliche Faktoren eine größere Gründungsbereitschaft und -fähigkeit:

Erstens: Die Wucht des demografischen Faktors trifft aller Voraussicht nach das Gründen in besonderem Maße, weil das rückläufige Angebot an Talenten den Wettbewerb um diese verstärken wird, und eine alternde Gesellschaft bewahrend ist.

Zweitens: Die Angst vor dem Scheitern ist in Deutschland verbreitet und tiefsitzend – mehr als in den meisten Industriestaaten. Die Gründung von Unternehmen ist davon betroffen.

Drittens: Die Begeisterung der Jugend für Ingenieurwissenschaft / Informatik / Technologie ist vergleichsweise schwach. Diese Fachrichtungen sind jedoch für Unternehmensgründungen unentbehrlich.

Angesichts dieser gesellschaftlichen und kulturellen Barrieren wird deutlich, wie groß die Herausforderung ist; sie lässt sich nur im Verbund vieler Kräfte erfolgversprechend angehen. Der Staat hat dabei die regelsetzende Aufgabe; er sollte einladend wirken, indem alles, was das Gründen erschwert, möglichst aus dem Weg geräumt wird, Bildung fördert und Forschung anregt. Gründen ist nicht schnell und schon gar nicht einfach mit Geld lösbar. Wichtig ist die gute Einbettung in das hiesige „Ecosystem", vor allem mit Hochschulen und dem innovativen Mittelstand.

Nun zu einzelnen Elementen des Gründungsgeschehens:

Businessplan-Wettbewerbe
Businessplan-Wettbewerbe waren als „Aufweck"-Aktionen wertvoll. Institutionalisierung und einseitige Ausrichtung auf Venture Capital sind einer breiten, nachhaltigen Förderung von Gründungsvorhaben nicht hilfreich.

Entrepreneurship-Lehrstühle
Die Verschulung (Bologna-Effekt) von Unternehmertum ist mit Bestimmtheit der falsche Weg, Vorlesungen für Gründer sind ein Widerspruch in sich. Meta- und Methodenwissen ersetzt nicht das für eine Unternehmensgründung elementare Erfahrungswissen und Learning by doing. Anzustreben ist eine frühe Sensibilisierung der Studenten für die Option, unternehmerisch tätig zu werden. Coaching durch Erfahrungsträger ist das probate Mittel der Unterstützung.

Venture Capital (VC)
Deutsche VCs orientieren sich vordergründig an US-Vorbildern. Den Gebern von Smart money mangelt es nicht selten an Substanz. Auf der anderen Seite herrscht ein Mangel an ausreichend guten Unternehmerteams. Corporate Venture Capital ist wegen seiner widersprüchlichen Zielsetzung (Strategie versus Rendite) und des umständlichen Umgangs mit Start-ups in aller Regel schwierig. Direkte geschäftliche Beziehungen von Start-ups zu den operativen Einheiten von Großunternehmen sind meistens effektiver.

Förderwesen
Bei der Vielzahl von Programmen kann mit einigem Recht von einem Dschungel gesprochen werden. Dass sich Berater als „Subventionslotsen" anpreisen, ist ein deutliches Indiz dafür. Der Administrationsaufwand ist unverhältnismäßig hoch und die Abwicklung für viele Gründer nicht attraktiv. Viele Programme geben in der Logik von Subventionierung falsche bzw. ungenügende Anreize. Die Banken sind als Mittler häufig wenig gründungskompetent und nehmen von der öffentlichen Hand einen beträchtlichen Risikoausgleich in Anspruch. Fördergeld ohne pragmatische Unterstützung ist in der Regel nicht gut angelegt. Als einfache, direktentlastende Maßnahme ist eine Steuerbefreiung während der ersten fünf Jahre nach Gründung angezeigt.

Gründungsgeist
Deutschland wird eine weitverbreitete Angestellten- und Beamtenmentalität attestiert, die sich in Angst vor Wagnis und vorm Scheitern äußert. Zum Teil erklärt dieser Zusammenhang den seit Jahrzehnten notorischen Mangel an Unternehmernachwuchs. Aber ohne eine ausreichende Zahl an risikobereiten Machern helfen alle noch so ausgeklügelten Hilfsangebote wenig. Entgegen allen interessegeleiteten Forderungen ist wesentlich mehr Wagniskapital nicht der Königsweg, denn der Engpass sind die Gründer.

Gründungsmentalität ist ein öffentlicher Auftrag und eine persönliche Eigenschaft, die schon früh geweckt und gepflegt werden muss, beginnend in der Schule und in besonderem Maße in den ersten Hochschulsemestern; jedoch nicht als Lehrfach, sondern als Eingehen auf die Person, als Mentoring durch Erfahrungsträger. Es liegt schon im Wort Gründergeist: Ohne Leute, die von ihm beseelt sind, ist er bloß eine Beschwörungsformel. Wirksam wird der Entrepreneurship Spirit erst dann, wenn exzellente Ideen entstehen und Gründer vorangehen, sie kommerziell umzusetzen. Nochmals: Man muss sich in erster Linie um die Menschen, die Gründer kümmern, nicht um Programme, Systeme und über das immer zu wenige Geld, das die zahlreichen Helfer ständig beklagen.

Gründergeist hat viel mit gesellschaftlicher Stimmung zu tun; man braucht sich nur an die Gründerzeit in Deutschland vor über 100 Jahren erinnern (mit einer stark wachsenden Bevölkerung, einem hochwertigen Bildungssystem und exzellenten Forschungs-einrichtungen) oder dynamische Regionen in Deutschland und in der Welt näher betrachten. Damals wie heute entsteht Gründergeist nicht von heute auf morgen. Aufgeschlossenheit, Zielstrebigkeit und Stimmigkeit sind unverzichtbar.

EINORDNUNG

Förderung von Unternehmensgründungen ist Innovationsförderung. Innovation bedeutet Neues in die Welt, zu den Kunden und Nutzern, zu bringen. Die hier gewählte Bandbreite umfasst High-Tech, Geschäftsmodelle bis hin zu irgendwelchen smarten Apps. Innovation durch Start-ups reicht von Querschnitt-/Schrittmacher-Technologien, Algorithmen, Rezepturen bis zu einzelnen Dienstleistungen, Produkten und Anwendungen. Der Lackmustest für alle Gründungen ist wirtschaftlicher Erfolg. Vor dem Hintergrund der umwälzenden Digitalisierung ist die Präferenz für High-Tech (mit dem impliziten Maßstab der Erfindungs-/Innovationshöhe) zu überdenken. Neue konsumnahe, auf Massennutzung angelegte Geschäftsmodelle erhalten ein sprunghaft höheres Gewicht. Als nicht-innovativ sind Copy & Paste-Gründungen einzustufen, denen beispielsweise die Logik zugrundeliegt, in den USA erprobte Internetdienste zu lokalisieren und diese Länderversionen später an Global Players meistbietend zu verkaufen.

Im Mai 2013 machte sich zum ersten Mal ein deutscher Wirtschaftsminister mit 100 potentiellen und jungen Unternehmensgründern ins Silicon Valley auf, um dort den besonderen „Spirit" aufzunehmen.[1] Entgegen aller Erwartung war die Reise nicht von medialer Zustimmung begleitet. Von Kennern der Verhältnisse dort wie hier wurde in einem Blog mit der Gründerwelt in Deutschland hart ins Gericht gegangen.[2] Daraus einige signifikante Äußerungen:

 

„In Deutschland haben wir eine Kultur, die von Missgunst und dem Ideal der Gleichheit auf niedrigem Niveau geprägt ist. Wirtschaftlicher Erfolg hat eine negative Konnotation ..."

„Es ist vor allem die Bürokratie, dieses endlose Anstehen für Genehmigungen und vieles mehr, was einem die Firmengründung in Deutschland von vorneherein verleiden kann."

„Mit 22 hat mein Sohn (noch im Studium) mit zwei Kumpeln ein Unternehmen gegründet, aber nicht in der EU, denn hier denkt man in Fördergeldkategorien."

„Ich habe so viele Gespräche mit Banken schon geführt und immer wieder erfahren, dass deren „Fachleute" sich aufplustern.....; die sind derart inkompetent ..."

„Wir haben kein Klima für Neues, Mutiges, für Ungewöhnliches ..."

 

Wenn das kein besorgniserregendes Bild ist! Aber wen kümmert es?

Nach nunmehr 30 Jahren Venture Capital in Deutschland ist eine nüchterne Bilanz der vielen Programme und Gründungsinitiativen, eine kritische Bewertung der Beteiligten – angefangen von Beratern und Bankern über staatliche Stellen bis zu Venture Capitalists (VCs) angezeigt. Wie gründungswillig und -fähig ist Deutschland überhaupt?

AUS USA IMPORTIERT

Alles, was mit Start-ups zu tun hat, wurde grosso modo von den USA kopiert ­– ausgenommen die zahlreichen staatlichen Förderprogramme. Der erste Import war 1983 die Gründung der Venture Capital Gesellschaft TVM (Techno Venture Management Gesellschaft). Initiiert wurde diese VC-Gesellschaft vom Siemens-Beteiligungs-management, mehr oder weniger von General Electric (GE) kopiert.[3] In der Folgezeit wurden einige kleine deutsche VC-Gesellschaften gegründet.

Der zweite Import waren die Businessplan-Wettbewerbe. Diese in den 1980er-Jahren am MIT (Massachusetts Institute of Technology) entwickelte Vorgehensweise wurde 1996 von McKinsey nach Deutschland gebracht, mit öffentlichen Mitteln und großem Eifer vermarktet;[4] in Bayern mit dem MBPW (Münchner Business Plan-Wettbewerb; heute Evobis) und dem BPWN (Netzwerk Nordbayern), dann von Passau bis Kiel bei Unternehmen (z.B. Infineon, VW) und in mehreren Branchen, wie Medien und Life Science, eingesetzt. Der beachtliche Marketingerfolg zog weitere Aktionen nach sich.

Der dritte Import waren Entrepreneurship-Lehrstühle. Der erste wurde 1998 an der European Business School in Oestrich-Winkel eingerichtet. Danach kam es zu einer beachtlichen Verbreitung in Deutschland. Parallel zu diesen Importen wurden Elemente der amerikanischen Praxis bei Unternehmensgründungen von in Deutschland tätigen amerikanischen Rechts- und Patentkanzleien und Consultants eingeführt.

Übernommen wurden einzelne Elemente der US-Gründerszene, in der Hauptsache leicht kopierbare Abläufe und Verträge. Großunternehmen, Berater, Professoren verfolgten ihre eigene Linie und kommerzielle Ziele, ohne sich im Sinne eines gemeinsamen Aufbruchs näher zu kommen. Der wichtigste Maßstab war in aller Regel ein Mengenziel, nach der Art: „Rekord von 126 Geschäftsideen" beim MBPW 1999/2000". Damit war der Rechtfertigung gegenüber den staatlichen Stellen im Großen und Ganzen Genüge getan.

FEHLENTWICKLUNGEN

Der Entrepreneurial Spirit, der vielgenannte Gründergeist, mochte sich gleichwohl nicht richtig entfalten und das übergeordnete Ziel, eine neue Innovationsdynamik mit erfolgreichen jungen Unternehmen zu erzeugen, gelang bei weitem nicht im erwarteten Umfang. Und das, obwohl die Politik Unternehmensgründungen zu ihrem Anliegen erkor: „High-Tech-Gründer sichern unseren Standort und schaffen zukunftsträchtige Arbeitsplätze".[5]

Woran lag es? Wie bei gesellschaftlichen Phänomenen - das sind Innovationsförderung und Unternehmensgründung - gibt es keine einfachen Ursache-Folge-Beziehungen; beide sind miteinander verflochten. Im Folgenden werden fünf Fehlentwicklungen, bezogen auf wesentliche Gründungsbausteine, erläutert:

1. Mangelndes Gründungsbewusstsein

Deutschland hat eine lange Gründerhistorie. Viele der heutigen DAX-Unternehmen und "Hidden Champions" hatten ihre Anfänge vor hundert und mehr Jahren; sie tragen oft die Namen ihrer Gründer. Der Wiederaufbau wurde maßgeblich von vielen jungen Unternehmern vorangebracht. Genannt seien nur Ludwig Bölkow, Max Grundig und Rudolf Hell. Doch ab den 1970er-Jahren mit Vollbeschäftigung und Wohlfahrtstaat ließ die Dynamik allgemein nach.

Heute stellt sich die Situation nach Ländern und Regionen sehr unterschiedlich dar: In dem "Tüftlerland" und der Mittelstandregion Baden-Württemberg, im relativ jungen Industrieland Bayern[6] und in Sachsen mit seiner unterbrochenen Industriegeschichte ist das unternehmerische Element vergleichsweise lebendig. In der klassischen Grundstoff- und Stahlregion von Nordrhein-Westfalen ist dagegen die Gründungsbereitschaft unterentwickelt.[7] Berlin erlebt seit rund 10 Jahren als metropolitane Region mit viel Zuzug und kreativem Flair, aber wenig Kapital und ohne besonderes staatliches bzw. kommunales Zutun, einen beachtlichen unternehmerischen Aufbruch mit Schwerpunkt Internet bzw. E-Economy. Die anderen Länder sind gründungsarm.

2. Verwechslung von Mittel und Zweck

Häufig wird in guter Absicht der jeweils eigene Ansatz verabsolutiert. Das Bestreben wird auf die eigene Aktivität reduziert, Gründungen werden nur vom eigenen funktionalen Standpunkt aus gesehen.

Fall: Businessplan-Wettbewerbe
Einer fruchtbaren Initialzündung von drei und mehr Jahren folgte in den allermeisten Fällen ein Dauerprogramm in eigens dafür geschaffenen Organisationen mit einem Jahresprogramm von Events und ritualisierten Preisverleihungen. Zum Erfolgsmaßstab für die Verantwortlichen wurden steigende Teilnehmerzahlen und geschönte Eigendarstellungen wie: „In der ersten Dekade konnte er sich als wohl erfolgreichster Businessplan Wettbewerb weltweit etablieren."[8]

Die Businessplan Wettbewerbe verursachten anfangs einen wichtigen Mut machenden Impuls. Bisweilen fehlte die Zielstrebigkeit: Man sah mitunter im Verfassen eines Businessplans lediglich eine Art außeruniversitärer Projektarbeit. Den Ausrichtern und so manchem Juror waren schriftliche Form und die Einhaltung bestimmter Normvorstellungen eines Businessplans überaus wichtig. Nominierungen und Preise waren für die Erst-Promotion der Geschäftsidee und der Beteiligten wertvoll, mittelfristig gesehen für das Geschäft von geringem Nutzen.[9] Um es einmal drastisch auszudrücken: Prämierungen nach der Art „Germany's next Superstar" übertragen den Bazillus der Überschätzung und erhöhen somit die Wahrscheinlichkeit frühen Scheiterns. Die Überbewertung von Unterlagen und verbaler Kurzauftritte (Pitches) ist ein häufiges Manko solcher Wettbewerbe. Auffällig war der Umstand, dass Businessplan Wettbewerb-Sieger häufig nicht gründeten oder früh scheiterten.[10] Der Unterschied zu den USA, wo das Ganze unkomplizierter, mehr auf die Initiative der Studenten vertrauend aufgezogen wird, sollte zu denken geben.

Von Anfang an gab es eine markante Einseitigkeit: Nach der Logik von schnell-wachsenden, skalierbaren und kapitalintensiven Geschäften richteten sich Businessplan Wettbewerbe hauptsächlich an Venture Capitalists (VCs). Das war ein, der eigenen Vorstellung von Professionalität (ein verdächtig überstrapazierter Begriff!) entsprechendes, von Beratern lanciertes Profil, das aber nicht zu einem Matching von Gründungsvorhaben, Finanzierung und geschäftlicher Unterstützung führte. Zu beobachten war, dass sogenannte „hippe" Themen wie Internet-Marktplätze, Games, Foren sich abwechselten, in den letzten Jahren sogar stark zunahmen, während bodenständige Ingenieur-/Chemie-/Werkstoffthemen ständig abnahmen.

Fall: Entrepreneurship-/Gründungslehrstühle
In den Jahren vor 1990 waren Unternehmensgründungen kaum ein Thema der Betriebswirtschaftslehre (BWL). Heute zählt man in Deutschland 133 einschlägige Lehrstühle bzw. Institute[11] . Entrepreneurship avancierte zu einem „In-Fach" und wurde ein Fall von Selbstzufriedenheit. Mit der Lehre bzw. einer großen Zahl von Lehrenden glaubte man, bereits einen gewichtiger Beitrag zur Lösung des Gründungsdefizits geleistet zu haben.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob man Unternehmensgründung lehren und lernen kann bzw. soll, wie etwa die Finite Elemente-Methode oder Kunstgeschichte. Die Erfahrung besagt, dass an Hochschulen wohl über Entrepreneurship doziert, nicht jedoch Unternehmersein "beherrscht" werden kann. Der Humboldtschen Einheit von Forschung und Lehre folgend ist dieses Ansinnen als Fach deplatziert. Der Geburtsfehler ist auf die gute Absicht der früheren Deutschen Ausgleichsbank (DtA) zurückzuführen, Studenten und Professoren "unternehmerischer" zu machen; andere Finanzinstitute machten es nach.

Zum Angebot selbst: Mehr als Zweidrittel der Professoren haben keine persönliche Erfahrung mit Unternehmensgründungen. Da bleibt es in aller Regel bei Deskription und Theorie, BWL- und Finanzierungslastigkeit.[12] Vermittelt wird ein falsches Bild von Unternehmen und Unternehmern, nämlich normierte Business Models, viel formale Strategie, Standards bei Prozessen und Methoden, vielfältigste, sophisticated Finanzierungsmodelle.[13]

Fall: Gründer-/Technologiezentren
In Deutschland gibt es - von Allensbach bis Wismar - seit 2010 rund 500 Innovations-,
Gründer-, Technologiezentren (und auch einen Bundesverband). Dazu zählen diverse Hochschulinkubatoren und nach Branchen spezialisierte Einrichtungen. Zum leichteren Einstieg in die Selbständigkeit und in Richtung Unternehmensgründung sind solche Einrichtungen nützlich. Im Regelfall handelt es sich um subventionierte Infrastruktur-einrichtungen. Viele "Einwohner" von Gründerzentren haben nur eine Selbständigkeit mit einem Ingenieurbüro oder Vergleichbares im Sinn, jedenfalls nicht den Aufbau eines Unternehmens. Die bisherige Entwicklung bescheinigt einen geringen Beschäftigungseffekt aus diesem Gründungssegment.[14]

Fall: Transfereinrichtungen
Transferstellen haben zuvorderst die Aufgabe, das mit Forschungsgeldern erworbene Know-how zu verwerten;[15] sie gehören heute zur „innovatorischen" Infrastruktur der meisten Hochschulen. Ihre Aufgabe ist oft auch, bei Gründungs- bzw. Transferprojekten an die Hand zu gehen, bei der Erlangung von Fördergeldern zu helfen und koordinierend zwischen den verschiedenen Beteiligten (v.a. Lehrstuhl/Institut, Patentstelle, Programmträger) tätig zu sein sowie als Filter für Förderanträge zu wirken. Ihre Zahl hat sich in der Zeit nach 2000 in etwa verdreifacht. Der Nutzen hängt erwartungsgemäß in hohem Maße von der Besetzung und ihrer Kontinuität ab. Allzu häufige personelle Wechsel, fehlende Erfahrung und mangelndes Einfühlungsvermögen sind verbreitet. Nachteilig wirkt sich auch die Aufteilung der Aufgaben auf verschiedene Referate bzw. "Dienststellen". aus. Das Prinzip des „Möglichst Alles aus einer Hand" wird zu wenig eingehalten, mit der Folge fehlender Orientierung und unnötiger Umständlichkeit.

3. Fixierung auf Venture Capital (VC)
Für Innovationen wird Wagnis-/Risiko-Kapital gebraucht. Die dafür in Frage kommenden Geldgeber sind nach amerikanischem Vorbild die VCs/Wagnisfinanzierer. Während diese in der Anfangsphase auch kleinere Vorhaben finanzierten, sind sie bald aus der Frühphasenfinanzierung ausgestiegen, und haben dieses Segment Business Angels und später teilstaatlichen Einrichtungen, wie dem High-Tech Gründerfonds, überlassen. Seit dem Auftreten der ersten VCs vor 30 Jahren verlief das Geschäft überaus zyklisch, mit einem ausgesprochenen Boom um die Jahrtausendwende.[16]

Das Fundraising aus hiesigen Quellen gestaltete sich wegen der regulatorischen Auflagen, z.B. die Anlagepolitik von Lebensversicherungen betreffend, und auch wegen der durchmischten Performance der Funds, schwierig. Die Gründe für den Mangel an Erfolgsstories sind vielfältig: das beschränkte "Können" der VCs - die Unterstellung, dass es immer an den anderen liegt, ist bequem, aber nicht haltbar - , die fehlende unternehmerische/operative Erfahrung[17], der in Teilen wenig vertrauensvolle Umgang mit den investierten Unternehmen[18] und die nicht gerade glückliche Hand der deutschen VCs (insbesondere bei kapitalintensiven Geschäften), der Mangel an starken unternehmerischen Teams[19], die Schwäche vor allem im IT-Sektor (Devices, Apps) und nicht kooperierende deutsche Großunternehmen.

Seit einiger Zeit verlegen sich die meisten deutschen VCs auf sogenannte hochskalierbare, anwendernahe Geschäfte und versuchen über amerikanische Partner den Aufbau zu beschleunigen und einen Exit zustande zu bringen. Eine Allianz für Venture Capital, bestehend aus 16 Verbänden und Instituten, stellt seit Neuem "das unzureichende Angebot an Wagniskapital als gravierendste Schwäche des Innovationssystems Deutschland" hin und fordert ein "Venture Capital-Gesetz", welches das Geschäft von Wagniskapitalgebern aufbessern soll."[20] Vor dem Hintergrund der enttäuschenden Entwicklung von VC ist der vehemente Vorstoß unverkennbar Lobbying für eine Besserstellung einer Anlageklasse bzw. Anlegergruppe, die sich sonst als staatsferne Risiko-Finanzierer geriert.[21]

Klagen über die Risikoscheu von Banken und VCs bei Gründungsfinanzierungen machten schon früh die Runde.[22] Der präferierte Exit über einen Börsengang gelang in ganz wenigen Fällen, namentlich Quiagen und Morphosys, weil in Deutschland/Europa im Grunde genommen kein „Tech-Segment" offenstand und es an börsenreifen Unternehmen fehlte. Aus ursprünglichen Hoffnungsträgern, wie beispielsweise Speech Design, Feinfocus oder Wilex, entstanden keine stabilen Unternehmen. Der Versuch von 1994 mit der Easdaq[23] ein europäisches Format der Nasdaq zu etablieren, misslang; später landete der „Neue Markt" nach einem fulminanten Anlauf im Abseits. Im E-Business gelangen mehrere VC-Engagements, in Life Science und im Industriesektor dagegen nur ausnahmsweise.

Business Angels – zu wenige und der Mittelstand kommt kaum vor
Die in den USA für das sogenannte Seed-Financing wichtigen Business Angels spielen noch eine relativ bescheidene, aber zunehmende Rolle. Die Zahl der aktiven Business Angels liegt angeblich bei rund 9000, ihr Finanzierungsvolumen bei rund 600 Millionen Euro (und damit geringfügig weniger als das der VCs!). Mit dem INVEST-Zuschuss übernimmt der Bund 20% des Anlagerisikos dieser Anlegerkategorie; ein jüngstes Beispiel für eine Subventionierung.

Als problematisch erweist sich fallweise das Verhältnis zu den VCs, die dazu neigen, frühere Investoren schlecht zu stellen. In den USA gibt es aufgrund der vielen bei Exits ausgeschiedenen Gründer und Privatinvestoren erfahrene „Cash-rich" Business Angels zuhauf. Diese Verhältnisse sind nicht übertragbar. Woran es hierzulande vor allem fehlt, sind die als Investoren prädestinierten Mittelständler und auch die Gruppe der laut Forbes nicht wenigen „Vermögenden". Um diese Gruppen wurde weder geworben, noch wurden sie diskret (beispielsweise über Family Offices) erschlossen; nur ein paar wenige haben sich exponiert.[24]

Corporate Venture Capital (CVC) überschätzt
Große Hoffnungen wurden in CVC als Instrument der Gründungsfinanzierung gesetzt, so wie es früher in den USA der Fall war, wo viele namhafte Konzerne – von GE, Intel über Eli Lilly, Lucent bis Xerox und andere - schwerpunktmäßig in den 1980/-1990er -Jahren eigene Venture Einheiten einrichteten. Ziel war, durch frühen Zugang zu Innovationen, untermauert durch direkte oder indirekte Beteiligungen, strategische Vorteile zu erzielen und zusätzlich eine lukrative Verzinsung des eingesetzten Kapitals zu erhalten. Wegen der widersprüchlichen Zielsetzung und der extrem unterschiedlichen Unternehmensstile wurde die eigentliche Absicht meist verfehlt; folglich kam es zu einem breiten Rückzug aus diesem Engagement.
In Deutschland wurde dieses Vorgehen zuerst von Siemens nachvollzogen; mehr oder weniger beharrlich betrieben, mit mäßigem Erfolg.[25] Erfolgreicher scheinen die Venture-Aktivitäten von Bosch und BASF zu sein, die eine enge Kooperation mit ihren Arbeits-gebieten verfolgen und vor allem langfristig ausgerichtet sind. Ein Sonderfall sind neuerdings die im Zuge der Digitalisierung häufig eingegangenen Investments von Medienunternehmen mit Schwerpunkt Berlin (Springer) und München (Holtzbrinck, ProSieben).

Die Erfahrung von CVC zeigt, dass Unstetigkeit und umständliche Beziehungen zum investierenden Großunternehmen die Regel sind. Der erwartete Nutzen durch die Anbindung in Forschung und Entwicklung, aber vor allem im Vertrieb, hat sich in den meisten Fällen als illusorisch erwiesen.

4. Großer Staatseinfluss und Förderbürokratie

Auffallendes Merkmal hiesiger Innovationsbestrebungen ist die starke Rolle staatlicher Stellen, vor allem in ihrer Rolle als Geldgeber und Vermittler von Subventionen. Das typische Reaktionsmuster der öffentlichen Hand ist, echten oder vermeintlichen Mängeln mit reparierenden, unterstützenden Programmen zu begegnen; statt herausfordernde Programme zu organisieren und zu finanzieren.[26]

Wegen der schwachen Gründungstätigkeit wurden - wie schon erwähnt - vom Bund und einzelnen Ländern gezielt Aktivitäten eingeleitet. Dazu zählt das bundesweit angelegte Exist-Programm (Gründungen aus der Wissenschaft) in den Ausprägungen eines Gründerstipendiums und des Forschungstransfers bei aufwandsintensiven Projekten. Eine nicht zu unterschätzende Nebenwirkung solcher Programme ist das gute Gefühl eines monatlichen Einkommens und das Hinausschieben der "Stunde der Wahrheit", nämlich sich dem Markt möglichst früh zu stellen.

Auf Länderebene ist das Förderprogramm zum leichteren Übergang in eine Gründerexistenz (FLÜGGE) des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie zu erwähnen, das darauf angelegt ist, Unternehmensgründungen aus Hochschulen in Bayern zu unterstützen. Ein Erfolgsmerkmal des Programms ist die breite Beteiligung von gründungs-/unternehmerisch Erfahrenen und die engagierte, kontinuierliche Betreuung aus einer Hand.

Ein Programm, das diese Programme abrunden soll, ist der 2005 aufgelegte "High-Tech Gründerfonds". Seine Zielsetzung ist die Finanzierung von Forschungs- und Endwicklungsvorhaben bis zur Bereitstellung eines Prototyps bzw. einer Machbarkeits-studie oder zur Markteinführung. Bisher wurden über 250 Unternehmen aus der High-Tech-Branche ko-finanziert.[27] Der weitgehend staatliche "High-Tech Gründerfonds" ist somit der mit Abstand größte „Anschubfinanzierer"; ein weiteres Zeichen für die Risikoaversion in puncto Gründungen.

Über die letzten 20 Jahre ist eine Zunahme an staatlichen Hilfen festzustellen, weil sich immer neue „Unterstützungslücken" auftaten. Das zweifelhafte Resultat: Deutschland verfügt über die weltweit wohl umfassendste Förderarchitektur. Auf der anderen Seite ist eine frühe, wirkungsvolle Sensibilisierung von Studenten, kompetente Beratung und direkte Unterstützung, was mit wenig Geld zu bewerkstelligen ist, in vielen Fällen nicht gegeben. Überhaupt wurde bislang der Wert eines qualifizierten Coachings durch Erfahrungsträger aus der Wirtschaft erst spät erkannt und von der hoheitlichen "Förderverwaltung" wenig gewürdigt.

Hochschulen zu Theorie-lastig
Hochschulen haben neben ihrem Bildungs- und Forschungsauftrag den des Wissenstransfers in die Wirtschaft. Gründungen "aus" Hochschulen sind ein probater Weg, Ergebnisse nicht einfach zu verwerten, sondern in unternehmerischen Zellen zur Reife zu bringen und organisch zu vermehren. Dieses dynamische Prinzip ermöglicht die Entfaltung sowohl fachlicher als auch unternehmerischer Talente, verstärkt die Bindungen an die Hochschule über die spätere Rekrutierung von Absolventen und über gemeinsame Projekte, lässt bei Erfolg einen Mittelrückfluss erwarten und bereichert Wirtschaft und Gesellschaft.

Bahnbrechend und überaus zahlreich sind die von renommierten Universitäten wie MIT (Massachusetts Institute of Technology) oder Stanford ausgegangenen Unternehmensgründungen. Nicht selten wurden von Studenten Geschäftsideen auf den Weg gebracht, die bei großer Marktakzeptanz ihrer Gründungsidee das Studium abbrachen; erinnert sei an Bill Gates, Steve Jobs und Marc Zuckerberg. Viele Professoren vor allem aus dem Bereich Computer Science, Communication Technology, Microelectronics, aber auch Life Sciences sind als Gründer hervorgetreten und als Berater und Board-Mitglieder von Start-ups aktiv. Diese Selbstverständlichkeit, Unvoreingenommenheit und Unkompliziertheit sind unschätzbare „weiche" Faktoren einer Gründungskultur. Neues entsteht nun einmal besser in einer solchen Umgebung.

In Deutschland sind von Ausnahmen abgesehen solch gründerfreundliche Verhältnisse ungewöhnlich, auch weil sich Universitäten/Hochschulen aufgrund der jüngeren Geschichte sich eine gewisse Distanz zur Industrie auferlegten. Ein weiterer Grund ist der bei "Forschungsuniversitäten" gegebene Auftrag zum Publizieren - was für die Hochschulen nicht zutrifft -, manchmal noch zum Patentieren, womit der akademische Auftrag erfüllt ist, der mögliche wirtschaftliche Zusatznutzen aber noch aussteht. Schließlich ist noch ein unerwünschter, sogenannter Rebound-Effekt eingetreten: Im Zuge von "Bologna" haben sich Hochschulen vollends in Richtung Wissenseffizienz treiben lassen, dabei viel an Erfindungsgeist und Kreativität hinter sich lassend.

Aufschlussreich ist auch ein direkter Vergleich der Studieninhalte der vorher erwähnten amerikanischen Universitäten mit den Technischen Universitäten von Aachen, München, Berlin und anderen. Die besten US-Universitäten sind vor allem in Computer Science überwiegend anwendungsnah. Die Überlegenheit der USA auf dem IT-Sektor ist in der Tat bedenkenswert, bei den Gründungsideen sind Originalität und Vielfalt unübersehbar. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Wie kann angesichts der Digitalisierung die traditionelle deutsche Stärke in den Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Produktion (Exploitation) ergänzt werden durch eine neue Stärke in den „Strukturwissenschaften" Mathematik und Informatik (Exploration)?

An einigen Hochschulen bzw. Instituten[28], an mehreren Forschungseinrichtungen wie der Fraunhofer Gesellschaft (FhG), mehreren Max Planck-Instituten (MPI) und der Helmholtz-Gesellschaft hat sich die Situation verbessert. Daran ist das Netz von Gründerhochschulen, die Initiative "Gründungsradar" des Stifterverbandes (vergleicht Hochschulprofile in der Gründungsförderung an deutschen Hochschulen) und aus USA zurückgewanderte Professoren beteiligt. Immer noch wenig einbezogen sind die Alumni mit unternehmerischer Erfahrung und Geld; ein Reservoir von Business Angels, Facilitators und vor allem Role Models.

Erschwerend ist allerdings eine Regelung zur Verwertung von Patenten hinzugekommen: die Eigenverwertung von Hochschulpatenten durch die als Profit Center aufgestellten Patentstellen. Während früher Gründer ohne große Formalien in den Genuss der Patentverwertung kamen, stehen heute in der kritischen Phase der Gründungsfinanzierung aufwendige Verhandlungen an, mit dem Ergebnis, dass hohe Lizenzgebühren bzw. Abschlagszahlungen gefordert werden und die Übertragung der Rechte nur eingeschränkt erfolgt.[29] Dies ist ein Beispiel widersprüchlicher Regelungen.

GESAMTBILANZ DURCHWACHSEN

Im Verhältnis zu dem seit 30 Jahren aufgebrachten Gesamtaufwand für die Förderung von Unternehmensgründungen ist das Ergebnis – moderat ausgedrückt – bescheiden. Doch über Ursachen und Fehlentwicklungen wird nicht offen gesprochen.

Nicht die Förderung der Eigeninitiative, die Selbstorganisation standen im Mittelpunkt, sondern Institutionalisierung (beispielsweise bei den Businessplan-Wettbewerben) und eine Fördergeld-Administration. Das Verständnis für und von Innovation mit Start-ups war häufig unzureichend. Strategie, Mechanik und Form überwogen; „Idee, Geist und Person" erhielten in vielen Fällen nicht das gemäße Gewicht und das notwendige Ausbalancieren mit der unternehmerischen Praxis fand nicht statt. Unrealistische Vorstellungen von skalierbaren High-Tech-Unternehmen führten zwangsläufig zu Enttäuschung. Apple, Google, Facebook hatten gänzlich andere Bedingungen. Auch SAP war ein nicht VC-finanzierter Ausnahmefall. Die Digitalisierung schafft jedoch eine neue Dimension, sowohl was die Internationalisierung betrifft als auch den Vermarktungsaufwand und die Geschwindigkeit angeht. Dafür ist die hiesige Welt wenig vorbereitet.[30]

Die bisherige Unterstützung ist vielfältig, vereinzelt und angebotsgetrieben. Der Vielfalt entspricht ein hohes Maß an Funktionalismus bzw. "Silodenken", das heißt, dass viele Akteure der Gründerszene sich selbst optimieren und zu wenig auf Kooperation zum Nutzen der Gründer eingestellt sind. Und Praktiker bzw. Unternehmer bleiben ohnehin meist außen vor. Der Eindruck, dass fehlende Eigeninitiative und mangelnde unter-nehmerische Erfahrung durch ein Überangebot an Unterstützung kompensiert werden sollen, - anstelle erstere anzuregen, ist begründet.[31] Desweiteren ist ein Hang zu „Theorie und Papier" festzustellen. Einigen für die Innovation wichtigen Großunternehmen fehlt es an starkem Willen zur Innovation und folglich an der Bereitschaft, mit jungen Unternehmen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten; diese werden des Öfteren als Targets angesehen, die fallweise abzuschöpfen bzw. aufzukaufen sind.[32]
Das vorgelegte, zugegeben pointierte Bild der Gründungsbereitschaft und des Gründungs-geschehens in Deutschland legt eine Richtungsänderung nahe. Mit der notorischen, Forderung nach mehr Geld ist es jedenfalls nicht getan.

NEUAUSRICHTUNG ÜBERFÄLLIG

Der Grundsatz gilt immer: erst der Zweck und dann die Mittel. Das bedeutet, Unternehmensgründung von der Innovation her denken, weil diese der eigentliche Zweck ist[33]. Die Gründer haben im Zentrum zu stehen, weil diese die Treiber sind, die anderen sind Helfer. Am Anfang muss das gemeinsame Ziel stehen: Innovationsförderung durch ständige Verjüngung der Unternehmenslandschaft. Historisch gesehen mangelt es in Deutschland außerordentlich an neuen Unternehmern vor allem im High-Tech-/IT-Bereich. Den Pionieren, Heinz Nixdorf[34], und dem SAP- Gründungsteam um Hasso Plattner folgten keine bedeutenden "Gründerunternehmer" und viel zu wenige Jungunternehmer. Der "Engpassfaktor Unternehmer" ist alarmierend. Die Präferenz von Absolventen für eine Beschäftigung beim Staat und bei den bekannten Großunternehmen ist indes ungebrochen. Im Gegensatz zu den Massen- und Modefächern sind die Studentenzahlen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) unzureichend;[35] der demographische Engpass tut ein Übriges.

Notwendig ist ein Unternehmensverständnis, das dem des innovativen Mittelstandes nahekommt, nämlich eine langfristige Sicht, die im Unternehmen mehr als nur ein Transaktionsobjekt sieht und stetes Innovieren als unternehmerischen Auftrag sich zu eigen gemacht hat. Dazu noch eine Begriffsklärung:

 

Entrepreneurship meint das Voranbringen einer Geschäftsidee bis zu seiner Vermarktung durch die Gründung eines Unternehmens. Im Verständnis der VCs gehört auch der Exit der Investoren über den Kapitalmarkt oder der Verkauf an einen strategischen Investor. Doch es gibt einen anderen unternehmerischen Weg: ein Unternehmen auf Dauer aufzubauen, nicht selten ein Lebenswerk zu vollbringen, das in der Regel nicht zum Verkauf gestellt wird. Diese Einstellung ist der des Mittelstandes verwandt.

 

Diese beiden verschiedenen Vorstellungen und Ausformungen haben einen bedeutenden Einfluss auf Gründung und Unternehmensführung. Über die Motive und die Richtung Klarheit zu haben und Gründer nicht nur auf den VC-Weg zu drängen, ist unbedingt notwendig.

Das generische Ziel von Unternehmensgründungen ist Innovation im weiten Sinne. Dies stellt folgende Anforderungen:

1. Aufgeschlossenheit gegenüber Innovation

Eine positive Einstellung gegenüber Innovation und Lebensentwürfen jenseits einer abhängigen Beschäftigung sollte sich schon früh bilden. Elternhaus und Schule sollen Neugierde wecken, zum Tüfteln und Ausprobieren anregen, Kreativität nicht durch bloße Wissensanhäufung erschlagen. In den Schulen, der Öffentlichkeit, der Politik, den Gewerkschaften und nicht zuletzt in den Medien dürfen Basistechnologien wie Mikroelektronik nicht pauschal als "Job Killer", Gen- und Nanotechnologie als „gemeingefährlich" verschrien werden. Solche Haltungen sind Ausfluss einer Anti-Innovationsideologie und Folge eines Technik-Romantizismus, dem das Kriterium der Zweckmäßigkeit fremd ist.

Unternehmen, die sich an die Spitze von Innovation stellen, verdienen Lob. Bei der Abschätzung der Technologiefolgen sind Realitätssinn und Pragmatismus gefragt. Verunglimpfungen und Blockadehaltungen schrecken Gründungen in diesen innovationsreichen Bereichen ab.

Jugendlichen sollte die Einsicht vermittelt werden, dass die Option zu lebenslanger Beschäftigung in einem Großunternehmen immer weniger erfüllbar ist, und oft nicht herausfordernd genug ist. Die Chance auf eigene Gestaltungsmöglichkeiten in und mit einem neuen Unternehmen ist demgegenüber ein packender Lebensentwurf. Unternehmer als "Treiber" von Innovationen und Ingenieure/Informatiker als "Ermöglicher" verdienen hohe gesellschaftliche Anerkennung. Länder, in denen diese versagt bleibt, sind ausnahms-los innovationschwach. Innovation hat viel mit Einstellung und Emotion zu tun. Arroganz, Gleichmacherei, Neid, Missgunst sind dem Neuen abhold.

2. Einbettung in die hiesige Innovations- und Unternehmenslandschaft

Silicon-Valley (oder Silicon-Wadi[36]) einfach zu kopieren, funktioniert nicht, weil deren Spirit nicht übertragbar ist. Wunschvorstellungen der Politik und das Eigeninteresse von Beratern sind oft irreführend. Nur wenn die Einbindung der Gründungen - Branchenunterschiede und Ausnahmen soll und wird es geben - gelingt, wird ihre belebende Kraft für die Wirtschaft wirksam.

Das allseits beschriebene und ständig beschworene Spezifikum der deutschen Wirtschaft ist der Mittelstand mit seiner großen Bandbreite an Hidden Champions. Doch bislang wurde der Mittelstand in weiten Teilen aus der Gründerszene herausgehalten (bzw. er hat sich auch nicht eingemischt); damit wurden viele Chancen vertan. Konkret bedeutet eine Einbindung, dass Mittelständler sich als Investoren/Business Angels betätigen, sich als Mentoren engagieren und sich als Geschäftspartner anbieten. Sowohl als geduldige Geldgeber in der frühen /Seed-Phase und als auch für eine dauerhafte geschäftliche Beziehung kommen aufgeschlossene Mittelständler in besonderem Maße in Frage. Das ist ein großes, noch auszuschöpfendes, Potenzial.

Eigentlich ist es eine Selbstverständlichkeit: Kulturelle, wirtschaftliche und technologische Stärken des Landes - die komparativen Vorteile von heute - sollen mit Bezug zu Unternehmensgründungen gezielt genutzt werden. Das sind vor allem die Ingenieurbranchen mit der Autoindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau, der Verfahrenstechnik. Die in einigen Bundesländern mit Erfolg eingeführte Bildung regionaler Branchencluster sind ein potentiell fruchtbares Substrat für Gründungen.

Eine wenig betrachtete Option sind Spin-offs von Großunternehmen. Diese sollten angehalten werden, kleine, nicht zum Kerngeschäft passende Geschäfte zu verselbstständigen und somit Keimzellen für neue Unternehmen zu bilden. Eine solche Verpflichtung sollte insbesondere eingegangen werden, wenn für Innovationsprojekte öffentliche Mittel in Anspruch genommen werden. Jede Diversifizierung der Unternehmenslandschaft ist vorteilhaft. Unternehmerische Talente erhalten eine reelle Chance zur Entfaltung, und Großunternehmen können sich „vereinfachen" und flexibilisieren. Dadurch entstehen leichter Innovationsnetzwerke bzw. Cluster, die für Wirtschaft und Regionen bereichernd sind.

3. Unternehmer-/Team im Mittelpunkt

Die Gründung eines Unternehmens ist im Regelfall eine das weitere Leben bestimmende Entscheidung. Gründer (bzw. das Gründungsteam) müssen sich der Tragweite bewusst sein und die Berufung zum Unternehmer verspüren. Wegen dieses Commitments müssen Gründer Vorrang haben vor allen, die nur begleitend in die Gründung involviert sind oder sein wollen. Gründer verdienen einen Vertrauensschutz, vor allem gegenüber scheinbar wohlwollenden Profiteuren.[37] Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass nur ausgewiesene Coaches und Mentoren beigezogen werden, die breite Erfahrung mitbringen und das Gründungsvorhaben langfristig betreuen wollen.

Ausländer (Studenten und Andere) sind erfahrungsgemäß gründungswilliger – besonders in den USA auffallend - als Inländer.[38] Darum sollte darauf geachtet werden, dass sie schon früh eine angemessene Unterstützung erhalten (z.B. an den wichtigsten Hochschulstand-orten) und dass die Haltung der Behörden wohlwollend ist. Deutschland soll nicht nur als Studierort interessant sein, sondern vielmehr als Gründerland für ausländische Studenten attraktiv werden.[39]

Die vielen Branchen-/Industrieverbände haben jenseits ihrer Lobby-Arbeit die Pflicht, sich aktiv für die Innovation und somit für Unternehmensgründungen am Standort Deutschland einzusetzen. Wenn man deren diesbezügliche Aktivität näher besieht, ist großer Nachhol-bedarf gegeben.[40]

4. Schaffung gründungsfreundlicher Rahmenbedingungen

Statt ständig neuer Programme und unentwegtem Optimieren von Subventionsangeboten ist ein wirtschaftlicher Rahmen notwendig, der pragmatisch die unmittelbaren Probleme der Gründer adressiert. Dazu gehört eine innovationsfördernde, junge Unternehmen unterstützende Beschaffungspolitik, insbesondere der öffentlichen Auftraggeber (Hochschulen, Kliniken, Infrastrukturdienste, Bundeswehr, aber auch die ehemaligen Bundesbehörden Bahn, Post, Telekom). Erstaufträge und Referenzen sind lebenswichtig, weil sie eine Start- bzw. Auftragsfinanzierung erleichtern und einen frühen Markttest im Inland ermöglichen. Deshalb sollte mit der FuE-Förderung eine Verpflichtung zur Kooperation als Pilotanwender verbunden sein. Das risikominimierende, komplizierte und liquiditätseinschränkende Beschaffungsverhalten der öffentlichen Auftraggeber und der meisten Großunternehmen ist ein dauerhaftes, schwerwiegendes Innovationshindernis, das abzubauen endlich auf die politische Agenda gehört.
Eine pragmatische Form der Entlastung im weitesten Sinn ist der Verzicht auf eine steuerliche Veranlagung in den ersten fünf Jahren nach Gründung. Das hat den Vorteil, dass Unternehmer in der Anfangszeit von der steuerlichen Veranlagung nicht abgelenkt und erfolgreiche Gründer überdies unbürokratisch belohnt werden. Alternativ soll zumindest eine steuerliche Freistellung der erhaltenen finanziellen Unterstützung greifen.

5. Bündelung, Vereinfachung, Kontinuität

Vorhaben, die in hohem Maße vom Entschluss und dem Durchhaltewillen unternehm-erischer Talente abhängen, funktionieren mit wenig Formalien besser. Das betrifft alle Stellen und Vorgänge im Zusammenhang mit Unternehmensgründung, angefangen von Banken bis zu einzelnen Zulassungsstellen. Dass es einen klaren Zusammenhang von Gründungsdynamik und Hürden bzw. Zeitbedarf bei der Gründung gibt, zeigen wiederholt verschiedene Ländervergleiche. Deutschland nimmt darin einen nur nachrangigen Platz ein.

Ein sehr wirksames Mittel, Innovation bzw. Gründung voranzubringen, ist der direkte Kontakt zu Entscheidern. Der Weg über „Zuständigkeits-/Referenten"-Hierarchien ist langwierig und demotivierend. Generell passen zur Gründungswelt - zu Kreativität und Innovation allgemein - eine mehr improvisatorische Art und eine gewisse Lockerheit. Unkonventionelle Arten der Förderung sollten erprobt und bewährte Lösungen bekannt gemacht werden. Ein Beispiel: die Anfangsfinanzierung über Entwicklungsaufträge von großen Unternehmen, die in der Regel langwierige Investitions- bzw. Beteiligungsentscheidungen erspart.

Abschließend
Grundsätzlich sollten die vielen in die Jahre gekommenen Programme und Einrichtungen auf den Prüfstand gestellt werden. Als einfaches Kriterium kann die Überlegung dienen, ob man diese auch heute einrichten würde und ob nicht eine andere bzw. bescheidenere Ausstattung den Zweck erfüllt. Kandidaten für eine solche Überprüfung sind die eingangs erwähnten Businessplan-Wettbewerbe, Entrepreneurship-Lehrstühle und Förder-programme. Allgemein sollten Programme von Anfang an mit einem Ablauftermin versehen werden, um der üblichen Perpetuierung vorzubeugen. Diese "Grüne Wiese"-Betrachtung soll ein Wettbewerb um die besten Wege zu einer Gründerkultur auslösen, nach der Devise von Prof. Günter Faltin: "Kopf schlägt Kapital".

Für den Innovationsstandort Deutschland muss Unternehmensgründung eine wichtige, dauerhafte Aufgabe sein.

 

Hinweis zu Quellen: Zusätzlich zu den Veröffentlichungen der verschiedenen Träger und Verbände wurden eigenes Archivmaterial, Auswertungen und Studien des ZEW und des Global Entrepreneurship Monitor berücksichtigt.

[1] Auf dem Besuchsprogramm 1999 des Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber standen die Computerunternehmen Sun und Oracle; bei Philipp Rösler waren es die Internetkonzerne Facebook, Google und Twitter.

[2] FAZ-online vom 26.5.2013 (Philipp Rösler in Silicon Valley)

[3] GE trennte sich unter dem neuen CEO, J. Welch, alsbald von dieser Anlageform.

[4] 1995/96 initiierte Prof. Sven Ripsas (HWR) den BPW Berlin, der in der Folge von McKinsey begleitet wurde. Ein Beispiel für einen branchenortierten Businessplan-Wettbewerb ist der Science4Life Venture Cup (1998)

[5] So der langjährige Bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu Ende der 1990er-Jahre.

[6] Im Falle von Bayern ist eine bestimmte Ähnlichkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung von Kalifornien erkennbar.

[7] Eine typische Erfahrung: Wenn in Bayern oder Baden-Württemberg jemand erklärt, dass er sich zur Gründung eines Unternehmens entschlossen hat, erhält er meist Anerkennung und Lob; in NRW wird zurückgefragt: Hast Du keinen Job gefunden?

[8] Fazit des MBPW-Geschäftsführers Werner Arndt vom 16.10. 2006: .. „mehr als 430 Firmen gegründet und finanziert, über 323 Mio. Euro investiert, mehr als 3.095 neue Arbeitsplätze geschaffen".

[9] Manche Teams beteiligten sich höchsterfolgreich an mehreren Wettbewerben. Diese Stories endeten überwiegend nicht in Gründungen bzw. in geschäftlichen Misserfolgen.

Über solche Zusammenhänge wurde im Regelfall nicht offen gesprochen. Besonders anfällig waren sogenannte Boy Groups, also Teams Gleichaltriger mit einem gemeinsamen Ausbildungshintergrund.

[11] Im Vergleich: 405 in den USA. Laut Förderkreis Gründungsforschung e.V. „... wären in Deutschland 120 notwendig." Das ist ein treffendes Beispiel für das hiesige Quoten- und Verbandsdenken.

[12] Als bei Gründungsprojekten ein großes Manko beim Vermarkten festgestellt wurde, empfahl ein früherer McKinsey-Direktor Vertriebslehrstühle einzurichten.
Ein virtuelles Netzwerk stellt der German Accelerator dar, der vor allem die Verbindung deutscher Gründer nach Kalifornien pflegt; mitunter in der Absicht, via USA den Zugang zu deutschen Konzernen zu verbessern. Da stellt sich doch die Frage, ob das nicht ein typischer, kostspieliger Umweg ist.

[13] Die Generierung eigenen Cash-flows war konzeptionell zu wenig anspruchsvoll.

[14] Erwähnenswert ist das grandiose Scheitern der Consultant-Incubators von McKinsey (und Roland Berger) im Zuge des Internet-Hypes. Das Versprechen war, den Gründungsprozess zu systematisieren und zu multiplizieren sowie zu beschleunigen, um nicht zuletzt für die Vorleistungen eine lukrative Beteiligung an Start-ups zu erhalten. Über das Scheitern legte sich beständiges Schweigen. In jüngster Zeit mehren sich die Ratschläge. Zu fragen ist, warum eigentlich Apple, Google, Microsoft u.a. ohne solchen Rat auskommen.

[15] Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventen sowie Wissenschaftler/-innen aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die ihre Gründungsidee in einen Businessplan umsetzen möchten. EXIST-Forschungstransfer unterstützt herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. (www.exist.de)

[16] Die Investment-Volumina sind im Langzeit-Vergleich relativ gering, weisen aber eine beträchtliche Schwankung auf: Mitte 1980er-Jahre 250 Mio. Euro (im Wesentlichen drei VCs), 1993: 400 Mio. Euro (40 VCs), 2000 (im Jahr des Internet-Hypes): 3, 7 Milliarden Euro, 2003: 700 Mio. Euro und zehn Jahre später nicht mehr als 670 Mio. Euro.

[17] Häufig vertreten waren Strategie-/Management-Consultants als VCs. Andere wie der frühere Investor-Unternehmer Falk Strascheg waren in der Minderzahl.

[18] Da sind Misstrauen erweckende Vertragswerke von über 100 Seiten mit allen erdenklichen Covenants und Clauses gang und gäbe.

[19] Einige VCs kündigten in einem Anflug von Selbstüberschätzung, selbst entsprechende Start-ups zu kreieren. Dazu TVM-Partner Helmut Schühsler (vom 21.11. 1994):"Wir schauen, was sich in der Forschung tut und was Marktchancen hat. Dann sichern wir uns die Technologie, holen die Manager dazu und gründen ein Unternehmen dafür."

[20] Das simple Argument lautet, dass bezogen auf das BIP in den USA rund 7 Mal so viel VC aufgebracht wird. Bekanntlich sichert eine höhere Verfügbarkeit von Kapital nicht mehr Investitionen, wie die Geschäftsbanken trotz Liquiditätsschwemme seit einiger Zeit zeigen.

[21] Erstaunlich ist, dass trotz der Vielzahl von Studien zu VC kein differenzierter, langzeitiger "Peer"-Vergleich zwischen VC- und nicht VC-finanzierten Unternehmen bekannt ist.

[22] Ein erster Fall war 1985 DOLCH LOGIC: Dietzenbach/San Jose (USA).

[23] European Association of Securities Dealers Automated Quotation

[24] Ein herausragendes Beispiel sind die SAP-Gründer Hopp im Bereich Biotechnologie und Plattner bei IT-Anwendungen. Ein untypisches Beispiel ist ein angesehener Immobilienentwickler in Bayern, der im Alleingang und höchst unkompliziert eine erfolgreiche High-Tech-Gründung finanzierte, weil er in die Gründer Vertrauen hatte.

[25] Ende der 1990er-Jahre hatten sogar mehrere Siemens-Bereiche der Kommunikationstechnik Venture-Einheiten aufgebaut, die international aktiv wurden. Als „Parallelveranstaltungen" hatten sie keinen nennenswerten Einfluss auf die Innovationsschwäche vor allem der Kommunikationstechnik; sie wurden bald wieder aufgelöst.

[26] Als Muster können Programme von DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) dienen.

[27] 2011 wurde der Gründerfonds II mit einem Fonds­volumen von 304 Mio. Euro eingerichtet.

[28] Die „Denkfabrik Gründerhochschule" ist ein Zusammenschluss von Mitgliedern von 22 Hochschulen, die den Entrepreneurship-Standort Deutschland explizit entwickeln wollen.

[29] Die Patentverwertung ist auf Lizenzabkommen mit etablierten Unternehmen abgestellt.

[30] Das beginnt mit dem unbändigen Dominanzstreben bzw. Globalisierungswillen, dem notwendigen „Think Big". Es fehlen in Europa die mit VC gegründeten und meistens von den Gründungsunternehmern geführten bzw. „mitbestimmten" Big Players wie Cisco, Apple, Microsoft, Amazon, Google, Facebook, Twitter u.a., die als hundertfache Startup-Aufkäufer/-Integratoren aktiv sind. Eine entsprechende deutsche/europäische Lösung ist nicht in Sicht.

[31] Die Analogie zum Verhalten eines passivierenden Subventionierungs- und Wohlfahrtstaates ist auffallend.

[32] Siehe hierzu: http://www.managerismus.com/themen/wertschoepfung/denkschrift-nr-13

[33] Untersuchungen belegen hinreichend, dass die Motivation der meisten Unternehmensgründer nicht das "schnelle Geld" ist.

[34] Mit 27 Jahren gründete Nixdorf als Physikstudent eine Firma, die er zur Nixdorf AG (in den 1960-70er-Jahren ein internationales Computerunternehmen) machte. Mit den IBM-Kollegen Dietmar Hopp, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector und Klaus Tschira gründete Hasso Plattner 1972 eine Software-Firma, die heutige SAP AG, deren Vorstandsvorsitzender er bis 2003 war und bis dato deren Aufsichtsratsvorsitzender.

[35] Dazu zählen vor allem die Betriebswirtschaftslehre und "Zeitgeist-Fächer" wie Gender Studies, die sich zum Beispiel mit "Feministischer Reflexion der Technologie" beschäftigen.

[36] Hebräisch für das israelische Silicon Valley, das mit dem Zentrum Tel Aviv, der erfolgreichste Innovation-Cluster nach Kalifornien ist. Nicht von ungefähr wird Israel als „Start-up-Nation" bezeichnet (Buchtitel von Senor & Singer, 2009).

[37] Symptomatisch ist die Überrepräsentanz von Beratern (v.a. von Finanzierungs- und Personalberatern) bei Gründerstammtischen und Gründerforen.

[38] Deutsche Gründer in den USA: Andreas von Bechtolsheim (SUN), Erstinvestor in Google, Smithsonian Award for Innovation Leadership; Peter Thiel (PayPal).

[39] Bei Gründungen durch Migranten schneidet laut Global Entrepreneurship Monitor Deutschland im internationalen Vergleich untypisch schwach ab. Als Grund lässt sich der bis vor Kurzem hohe Anteil wenig qualifizierter Migranten vermuten.

[40] Indizien sind die geringe Verwendung von Innovation und Unternehmensgründung in deren Außendarstellung und Publikationen und der im Allgemeinen geringe Anteil von Technikern und (Jung-) Unternehmern in den Gremien.