Darüber hinaus – mehr zur „McKinsey-fizierung“:

In der Tat gibt es wenig – schon gar nicht Aktuelles über McKinsey (wie übrigens auch über Goldman Sachs); nicht mal der Umsatz der „Firma" wird bekannt gegeben. Vertraulichkeit auf sich bezogen hat traditionell System. Über den im Beitrag von Julius Lengert aufgeführten Fälle und Vorkommnisse hinaus, soll noch auf einige „Hot Spots" gezeigt werden:

  • Dass McKinsey weltweit stark im Finanzsektor engagiert war, ist noch zu wenig bekannt. Wie in der Schweiz (vor einigen Jahren nahezu allumfassend) ist in Deutschland der Finanzsektor in besonderem Maße betroffen: Landesbanken, KfW, Commerzbank, Allianz und auch Deutsche Bank.
  • Allmählich interessieren sich die Medien dafür, welchen Anteil die Rating-Agenturen an der Finanzkrise hatten. Noch kümmert sich niemand um die Rolle dieses Consulting-Unternehmens? War es nicht Teil des „Problems"? Und schon schwingt es sich wieder zum Teil der „Lösung" auf, mit Risk Management und komplexitätsreduzierenden Topics.
  • In Bayern unter Stoiber gab es eine ausufernde Präsenz von McKinsey in Belangen von Zukunftsvision, Technologiepolitik, Business Plan Wettbewerben, Eliteförderung, Entbürokratisierung/Deregulierung.
  • Warum bleiben diese Engagements – nahezu immer mit dem Namen Henzler verbunden – so wenig kommentiert, warum ist so wenig von den Ergebnissen zum Wohl des Landes Bayern bekannt geworden?
  • In der großen rheinischen Familienholding der Haniels kam es in jüngster Zeit zu einer beeindruckenden McKinsey-Verflechtung. Nachdem Eckard Cordes (zuvor Planungschef und M&A-Beauftragter von Daimler unter Schrempp und „Partner" von Herbert Henzler, Jürgen Kluge, Alexander Dibelius (Deutschlandchef Goldman Sachs, zuvor Partner bei McKinsey) als Vorstandsvorsitzender zu Haniel und Metro gewechselt war, blieben Aufträge an McKinsey nicht aus. Und seit 2010 ist der ehemalige Auftragnehmer und frühere Deutschlandchef Kluge Chef von Haniel & Cie GmbH. Eine „Verbandelung" ersten Grades.
  • Exzellente Hochschulen sind nicht nur „Targets" bei der Rekrutierung. In auffallender Weise werden sie zum Labor und zur Transferstelle für spätere Beratungsprodukte. So im Falle des Instituts für Werkzeugmaschinen und Betriebswissenschaften (iwb) der TU München auf dem Gebiet der Energieeinsparung in der Produktion und im Falle der Prozesslernfabrik der TU Darmstadt. Gesponsert werden diese Projekte von der Industrie. Welche Rolle hat da McKinsey? Was trägt McKinsey bei? Könnte es sein, dass das „Global Practice Exchange" des Beratungsunternehmens besonderen Nutzen zieht?

Die Öffentlichkeit sollte mehr davon erfahren, insbesondere wenn öffentlich-rechtliche Institutionen als Auftraggeber fungieren oder sie indirekt über Steuermittel beteiligt ist. Mehr Licht muss her auf diejenigen, die im Dunkeln stehen!

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